Friedegards Teufelswerk

Seyd willkommen!

Meine kleine Schmiede II

Filed under: Schmieden — 3. November 2010 @ 14:09

Die Monate sind ins Land gezogen, acht Stück, um genau zu sein. Aber seyd versichert, ich war nicht untätig 🙂 So ein Mittelalter Shop, wie wir ihn haben, braucht viel Pflege und Aufmerksamkeit, genau wie unsere Kunden. Deshalb komme ich nicht immer so oft zum Schreiben, wie ich möchte.

Aber genug der Entschuldigungen, heute will ich Euch zeigen, wie es mit meiner kleinen Schmiede weiter gegangen ist. Für die Interessierten: Hier ist der erste Teil dieser Geschichte.


Das Wichtigste ist in einer Schmiede, neben dem Amboß, natürlich die Esse. Als solide Grundlage hatte ich von Anfang an an ein gemauertes Fundament gedacht. Das Material war auch schnell gefunden: Kalksandstein, der Klassiker: Preiswert und einfach zu ver- und bearbeiten. Also flugs zum örtlichen Steinbruch Baumarkt und den Packesel beladen. Der bekam dadurch auch noch eine schöne Tieferlegung, wie sich das für einen anständigen Besuch im Baumarkt gehört.

Ausgerechnet habe ich mir ca. 80 Steine, was auch locker reichte. Da ich eigentlich noch nie gemauert habe, war ich ein wenig skeptisch ob meiner Fähigkeiten. Nach der dritten Reihe ging es aber immer flotter von der Hand, im Endeffekt war nachher sogar alles in Waage.

Die Grundmaße richteten sich nach dem Platzangebot und einer vorhandenen Stahlplatte, welche sich noch in meinem Fundus befand. Diese sollte rechts und links zur Hälfte auf der Mauer aufliegen und im weiteren Verlauf eingemauert werden.

In die Mitte dieser Platte habe ich eine selbstgefertigte Feuerschüssel aus 3mm Stahl (Dazu später mehr…) eingeschweißt.  Da sich das Prinzip der Luftzufuhr ohne viel Aufwand mit einfachen Luftlöchern bei meiner Zinkwannen-Esse bewährte, wollte ich das auch bei dieser Esse so bewerkstelligen. Luftzufuhr von unten über ein Rohr mit Ascheklappe, den Übergang bilden nur ein paar Luftlöcher. Wie auch immer, die Ereignisse überholen Einen bei so einem Projekt schon mal und nachher kommt alles anders, als man denkt. So viel vorweg: Bei Befeuerung nur mit Holzkohle ist dieses Prinzip auch absolut durchführbar und sehr einfach umzusetzen. Aber auch dazu später mehr 🙂

Die auf 60x80cm zurechtgestutzte Stahlplatte wurde mit der fertigen verschweissten Feuerschüssel (25x30cm) auf ca. 0,8m Höhe aufgelegt. Den Höhenunterschied habe ich mit Mörtel ausgeglichen und das Ganze erstmal trocknen lassen. Am nächsten Tag konnte ich weiter mauern, bis eine Höhe von 1,10m erreicht war. Dabei habe ich auf die Höhe im Zusammenspiel mit meiner Körpergröße (1,93m) geachtet: Der vordere Rand der späteren Abzugshaube sollte die Feuerschüssel samt Hotspot komplett abdecken, wenn ich in Arbeitsposition vor der Esse stehe. Die Abzugshaube sorgt ja nicht nur dafür, dass der Rauch abzieht: Sie ist in erster Linie ein Blendschutz. Dies kann man aber einfach mit einer aufgelegten Latte testen und muß keine großen Pläne oder Berechnungen anstellen. Die stimmen nachher sowieso nie… 😉

Rechts und links habe ich auf Höhe der Feuerschüssel übrigens jeweils ein Loch gelassen, 2 Steine hoch, einen halben Stein breit. Falls mal längere Werkteile zu bearbeiten sind, kann man diese Löcher dafür benutzen. Ansonsten sind die Löcher einfach mit eingelegten, halben Steinen verschloßen. Unter der Platte habe ich auf der rechten Seite ebenfalls ein Langloch gelassen, dort soll später das Luftrohr hindurch reichen.

Die Abzugshaube selber ist aus 2mm Stahl zurechtgeflext und geschweisst. Mein Tipp hierzu: Macht euch Schablonen aus Pappe. Ich denke es ist mittlerweile durchgeklungen, dass ich nicht alles ins Detail vorausplane und 3D-Modelle erstelle. Vieles kann man durch anhalten und bei Bedarf mit Schablonen schneller lösen. Auch entfällt auf diese Art der Stilbruch: Mal eben ans Zeichenbrett stellen oder den Rechner anschmeissen geht einfach nicht, wenn man sich dreckverschmiert und stinkend in der Werkstatt aufhält.

Damit das Runde in das Eckige passt, in diesem Falle das Abzugsrohr in die Abzugshaube, habe ich mir mit einem Doppelwandfutter beholfen. Diese Teile bekommt man beim Kaminofenfachhandel oder in der entsprechenden Abteilung im Baumarkt. Sie dienen eigentlich der Durchführung des Abzugsrohres in den Kamin. Die Wandfutter sind aus relativ dünnem Blech, deshalb dünne Elektroden benutzen und Stromstärke runter beim E-Schweissen. Es geht, aber besser ist an dieser Stelle sicherlich Schutzgas.

Zum Abzugsrohr: Ich habe 120mm-Rohre benutzt, insgesamt fast 4m. Im Nachhinein ist dies definitiv zu wenig! Unter 200mm-Rohren sollte man gar nicht anfangen zu planen. Diese kommen bei mir demnächst rein. Man sieht: Vorausplanung erspart doch manchmal Nacharbeiten… 🙂 Als Durchführung für den Kamin habe ich ein Alublech mit ensprechendem Auschnitt (Pappschablone…) in Dachziegelform gedengelt. Abgedichtet ist das Ganze mit Dach- und Fugendicht. Ein Sauzeuch, wahres Teufelswerk: Handschuhe tragen gereicht dabei von Vorteil!

So, das soll erstmal für heute reichen, bald gibt es mehr. Ihr müßt keine weiteren acht Monate warten. Versprochen!

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