Friedegards Teufelswerk

Seyd willkommen!

Pippi an der Decke

Filed under: Alltägliches — 8. April 2010 @ 16:38

Ich bin so beschäftigt mit dem Bau meiner Schmiede-Esse, da habe ich selten Zeit zum Schreiben. Deshalb zwischendurch mal eine kurze Anekdote für Euch.

Gestern war ich bei einem Bekannten zu Besuch. Der erzählte mir, er wäre des Nachts aufgewacht, geweckt von einem plätschernden Geräusch. Nach Betätigung des Lichtschalters (Nein, keine Kaltlichtlampen…) und kurzer Orientierungsphase im Halbschlaf, war klar: Es tropft von der Decke, auf einer Länge von ca. 50cm. Schnell einen (leeren) Wäschekorb drunter gestellt, Griff ging schon zum Telefon, da hörte es auch schon wieder auf.

Hmm. Ok. Wäschekorb kann man ja erstmal stehen lassen, scheint ein Abwasserrohr zu sein. Muss man morgen mit den Nachbarn (die über ihm wohnen, Zwei-Familienhaus) und dem Vermieter klären. Also flugs weitergeschlafen. Beruhigung am nächsten Morgen: Mehr Wasser kam nicht durch.

Nach dem ersten Kaffee (Kaffee geht immer vor!) dann ein kurzes Gespräch mit der Nachbarin. Die zeigte eine etwas peinlich berührte Reaktion und murmelte was von „…kann mir was denken, ich kläre das eben…“.

Eine halbe Stunde später klingelt es. Vor der Tür steht der Pänz der Nachbarn, 6 Jahre alt, leicht gerötete Gesichtsfarbe, mit seiner Krücke beschämt am Türrahmen rumstochernd. Er hat zur Zeit ein gebrochenes Bein. Scheint momentan in zu sein…

„Hmm, Hallo, ich wollte nur sagen… das war ich. Also, das mit der Zimmerdecke. Mein Eimer, also, der ist umgekippt.“
„Aha, welcher Eimer?“
„Naja, mit den Krücken komme ich momentan nicht schnell genug die Treppe runter zum Klo, wenn ich muss…“
„Arghhl…“

Nachdem mein Bekannter den Kleinen ein wenig beruhigt und ihm noch das Versprechen abgerungen hat, ab jetzt besser aufzupassen…
…ist ihm im Nachhinein erstmal richtig klar geworden, was genau passiert ist.

Fassen wir es in einer kleinen Liste zusammen:

  • Verschachteltes (Man könnte auch sagen, zusammengewürfeltes) Zweifamilienhaus
  • Holzdecken (Reine Holzdecken)
  • ein Schlafzimmer unter dem Kinderzimmer eines…
  • …6-Jährigen mit gebrochenem Bein…
  • …und Sextanerblase…
  • …der zudem etwas ungeschickt ist.

Schon tropft das (der?) Pippi von der Decke. Unglaublich.
Wir beide haben uns dann auch nochmal bepinkelt vor Lachen. War ja Gottseidank nicht sooo viel drin in der Blase, äh, im Eimer. Im Wäschekorb.
Als ich ihn dann fragte, was gewesen wäre, wenn der Pinkeleimer über dem Kopfende von seinem Ehebett gestanden hätte, war ihm schlagartig nicht mehr zum Lachen zu Mute.

So kann es durch Anhäufung und Verkettung von kleinen Gegebenheiten zu solchen Geschichten kommen. Das Leben ist doch eines der Schönsten.

Wie sah es eigentlich im Mittelalter aus? Ich meine, wenn der randvolle Pinkeleimer es nicht bis zur Güllegrube geschafft hat, sondern vorher umkippte. Ob so etwas früher öfter vorkam, das es gelb von der Decke tropfte? War es Alltag? Und heute nur so skurril (und damit für mich einen Blogbeitrag wert) ist, weil es einfach ungewohnt, gar archaisch anmutet?
Ich weiss es nicht, vielleicht kommt darauf ja mal von den Verfechtern der Authentizität eine Antwort.

In diesem Sinne, euer Friedegard.

P.S. nächstes Mal gibt es weitere Fotos und Berichte von meiner kleinen Schmiede. Die Esse ist gemauert, die Haube geschweisst, und ich mache mich jetzt wieder auf den Weg dorthin.

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