Friedegards Teufelswerk

Seyd willkommen!

Unbehandeltes Holz mit Pflanzenöl pflegen

Filed under: Tipps — 15. März 2010 @ 21:03

Da bin ich wieder, leider komme ich nicht so oft zum Schreiben wie ich möchte…
…heute habe ich aber Zeit für Euch und möchte euch einen kleinen Tipp mit auf dem Weg geben.

Wir wurden schon öfters gefragt, wie man unsere Waren aus unbehandeltem Holz denn richtig behandelt. Und zwar so, dass man die Teyle auch über einen längeren Zeitraum benutzen kann. Hier also die ultimative Anleitung zur Pflege von Holzwaren mit Pflanzenöl. Mit Lichtzeichnungen 😉

Zu allererst sollte man dafür sorgen, dass die Holzteile sauber sind. Ein wenig Scheuermilch mit viel warmen Wasser ist erlaubt, danach gut abspülen. Nicht über längere Zeit in Wasser oder gar Spülmittel einweichen. Das nimmt das Holz übel und man hat keine lange Freude daran. Spülmaschinen sind natürlich auch absolutes Teufelswerk, man sollte garnicht daran denken. Danach möglichst hochkant stellen und an der Luft trocknen lassen, für die folgenden Schritte sollte das Holz trocken seyn.

HolzbesteckIch habe es mir einfach gemacht und aus unserer Fundgrube für diese Anleitung ein Essbesteck entwendet. Das ist natürlich trocken und sauber (Die Wurst auf dem Foto ist leider schon lange verzehrt. Ich habe Hunger, merke ich gerade..).
Diese Anleitung gilt natürlich auch für alle anderen Holzartikel. Auch Pfannenwender, Brettchen oder sogar die Pfeffermühle aus Holz vom Kaufhaus freuen sich über diese gelegentliche Zuwendung.

Was jetzt noch fehlt ist das Pflanzen-Öl. Dabei gilt es bei Messer, Gabel, Teller und Konsorten folgendes zu beachten:
Es sollte möglichst geschmacksneutral sein. Ich verwende immer Rapsöl und habe damit gut Erfahrungen gemacht. Dieses hier ist diesmal von LIDL, kostete heute 1,89€. Natürlich sind auch Sorten von ALDI, Penny oder aus der Feinkostabteilung von Galeria Kaufhof in Ordnung.

Die Flasche sollte für etliche Anwendungen reichen, wenn nicht kann man es noch zum Braten benutzen. Andere Rapsölsorten gehen selbstverständlich auch.

Holzbesteck mit Pflanzenöl

Man kann mit verschiedenen Ölen experimentieren, wenn man z.B. eine dunklere Färbung erreichen will. Dunkles Sesamöl ist dafür z.B. geeignet, aber leider ist Sesamöl nicht ganz so geschmacksneutral.
Mit der Zeit bildet sich aber so oder so eine natürliche Patina, das Holz wird auch bei regelmäßiger Benutzung und Behandlung mit Rapsöl immer dunkler. Mein altes Besteckset ist leider beim letzten Mittelaltermarkt verschütt‘ gegangen, sonst hätte ich davon mal ein Foto gemacht. Alternativ kann man aber auch direkt zu dunklen Holzwaren, z.b. Essbestecke aus Sonokeling greifen.

Jetzt muss man das Öl erhitzen. Dazu ein wenig (Man braucht wirklich nicht viel) in einem kleinem Topf oder einer kleinen Pfanne auf ca.60-70 Grad erhitzen. Das geht recht schnell. Wenn es schon dampft ist es viel zu heiss! Dann erst wieder abkühlen lassen.
Ich habe übrigens immer einen großen Topfdeckel neben der Pfanne liegen, für den Fall der Fälle. Offene Ölbrände sind wirklich nicht schön, falls euch so etwas passieren sollte: NIE mit Wasser versuchen zu löschen! Wasser verdampft schlagartig und reisst das brennende Öl aus der Pfanne: Die Folgen könnt ihr euch denken… Erstickt es besser, solange es noch geht, mit einem grossen Deckel. Danach gut durchlüften, einen Asbach (oder zwei) trinken und fertig.

Alles da, kann los gehen

Aber ich schweife ab, weiter geht´s, die Pfanne mit dem Öl vom Herd und ein fusselfreies Tuch zur Hand nehmen.
Hat das Öl übrigens nicht eine schöne Farbe? Natürlicher geht es nicht mehr. Und die gusseiserne Pfanne freut sich übrigens auch mal wieder über die (Im Anschluß folgende) Ölbehandlung. Auch geschmiedetes Eisen und Gusseisen kann man auf diese Art und Weise nämlich reinigen und konservieren. Bei Schmiede- und Gusseisen, egal ob vom Schmied oder vom Grabbeltisch,  gilt Besonders: Finger weg von der Spülmaschine! Ausser man steht auf rostfarbende Pfannen…

…ich schweife wieder ab. Man nehme das fusselfreie Tuch (Magenta wird eines unserer Geschirrhandtücher wiedererkennen… auweia…), tauche es satt in das Öl ein und reibe damit dick die Holzteile ein. Und ich meine dick, und ich meine reiben. Nicht klotzen, kleckern!
Darauf achten, dass die gesamte Oberfläche gleichmässig eingerieben wird, in diesem Falle besonders such die Zwischenräume der Gabelzinken. Das heisse Öl ist schön flüssig und öffnet gleichzeitig die Poren des Holzes. Dadurch kann es viel gleichmäßiger und tiefer einziehen, als wenn es kalt wäre. Ist immer eine schöne Pamperei, mir macht es jedesmal Spaß.  😉

Danach kommen die noch tropfenden Holzteyle auf ein Küchenkrepp und bleiben über Nacht liegen. So kann auch der Rest des Öles einziehen. Am nächsten Tag noch einmal abwischen: Fertig!
Damit ist das Holz unempfindlich gegen Schmutz und Wasser geworden und behält dabei seine Natürlichkeit. Diese Behandlung sollte man regelmäßig wiederholen, das Holz wird es euch jahrelang danken.  Auch Austrocknen des Holzes wird dadurch übrigens weitestens vermieden, spröde Risse kommen nicht mehr vor.
Trotzdem das Holz nicht zu hohen Temperaturschwankungen aussetzen und vor Allem nicht länger als unbedingt zur Reinigung nötig dem Wasser aussetzen. Scheuermilch (Oder Asche…) ist, wie oben erwähnt, eine gute Sache, besser noch als Spülmittel.

Frisch geöltes Holzbesteck

Firsch geölt ist halb gewonnen

Apropros Rest des Öles: Ich sagte ja, man braucht nicht so viel Öl. Je weniger man übrig hat, desto besser. Am Besten ist, man hat garnichts übrig, falls doch:
Das restliche Öl bitte nicht in den Ausguss schütten, auch Pflanzenöl schädigt das Grundwasser immens! Restliches Öl entweder auffangen und für das nächste Mal kühl aufbewahren, oder mit Krepp aufsaugen und ab in den Hausmüll. Oder direkt eine dicke Portion Bratkartoffeln damit machen 😉

So, ich habe jetzt Hunger bekommen und muss was essen.
Viel Spaß mit euren Holzsachen und bis zum nächsten Mal, Euer Friedegard.

6 Comments

  1. magenta:

    Okay, ich habe das Küchenhandtuch erkannt… es war nun kein, an dem ich hinge. Genau genommen ist es eins von denen, von denen man sich fragt, weshalb man sie nicht endlich wegschmeißt.
    Also, alles okay 🙂
    Ich erinnere mich da an einen Vorgänger von Friedegard (ja, nu, ich bin halt keine 20 mehr), der bei einem Versuch, Bier zu brauen, SÄMTLICHE NEUEN Badetücher ruiniert hat. Gut, das Bier war lecker…
    So gesehen war das mit dem Öl ja nun harmlos.

  2. Friedegard:

    Da habe ich ja nochmal Glück gehabt 🙂
    Den Vorgänger kenne ich ja nun auch. Vielleicht hole ich mir mal ein paar Tipps zum Bier brauen bei ihm ab.
    Aber erst, wenn es wieder Handtücher für 10 cent bei IKEA gibt. Dann werden aber nicht wieder nur fünf davon gekauft, sondern fünfZIG 😛

  3. Öler:

    Die meisten Speiseöle hinterlassen gerade bei Holzbrettern eine leicht schmierige Oberfläche.
    Walnußöl härtet am besten aus.

  4. Friedegard:

    Hallo Öler,
    Vielen Dank für die Info!
    Walnußöl nehmen wir mittlerweile auch am liebsten.

  5. Holzbesteck:

    Kleiner Pflegetipp von uns:
    Olivenöl mit einem Spritzer Zitrone gemischt ergibt die beste Holzpflege!
    Gruß
    Steven

  6. Friedegard:

    Wird ausprobiert! 😉

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